Meine Geschichte

 

Hallo! Ich bin 28 und UTS wurde bei mir kurz nach meiner Geburt festgestellt. Ich habe einen älteren Bruder und bin in einem liebenden Elternhaus aufgewachsen. Die Schwangerschaft meiner Mutter und meine Geburt waren problemlos, und ich war gesund. Das es also so früh erkannt wurde, war reines Glück, denn eigentlich hatte ich keine größeren Symptome, die darauf hingewiesen hätten. Wir wurden von einem Arzt betreut, der zufälligerweise auf das UTS spezialisiert war. Als er mich sah, hatte er einen Verdacht, der sich dann bestätigte. Rein äußerlich sieht man mir eigentlich nichts an. Schon gar nicht als Laie. Ich habe einen etwas tiefen Haaransatz, aber das war es auch schon. Noch Heute bin ich diesem Arzt sehr dankbar. Denn dadurch, das wir es so früh wussten, konnte ich rechtzeitig mit einer Hormonbehandlung beginnen. Noch dazu bin ich damit aufgewachsen und  es war kein Schockerlebnis in der Pubertät, wie es leider viele Andere erfahren müssen. Mit Hilfe der Wachstumshormone bin ich 1,58 m groß geworden, womit ich ausgesprochen zufrieden bin. Ebenfalls sehr dankbar bin ich meinen Eltern, die immer offen mit mir darüber gesprochen haben und mir früh erklärt haben, das etwas bei mir anders ist und ich wahrscheinlich nie eigene Kinder bekommen kann. Dadurch habe ich mich schon früh an die Situation gewöhnen können und kann es nun leichter akzeptieren. Sie haben mich auch nicht überbehütet und mich genauso behandelt wie meinen Bruder auch. Es gab ja auch keinen Grund dazu, mich anders zu behandeln. Genau das fand ich immer sehr wichtig, auch für mich selbst. Sicher gibt es Momente im Leben, da kommt man ins Grübeln, in wie weit man anders ist als Andere. Vor allem in der Pubertät. Aber mit der Hormontherapie habe ich mich auch körperlich genau wie alle Anderen entwickelt und bin zu dem Schluss gekommen, das es keine Unterschiede gibt zwischen mir und jemandem, der kein UTS hat.

 

Meine schulische Laufbahn ging von der Grundschule über die Realschule bis zum Fachabitur. Ich hatte in der Schule keine größeren Probleme. Danach durchlief ich eine Ausbildung zur Industriekauffrau. In diesem Beruf arbeite ich Heute noch und fühle mich damit sehr wohl.

 

Ich wohne mit meinem Freund zusammen, fahre mein eigenes Auto und habe auch gesundheitlich keinerlei Einschränkungen. Als Kind hatte ich zwar häufig Mittelohrentzündungen, die aber je älter ich wurde immer seltener geworden sind, bis ich schließlich gar keine Probleme mehr damit hatte.

Ich gehe gerne Tanzen und im Sommer joggen und auch Rad fahren. Ich bin ein aktiver Mensch und treffe mich gerne mit Freunden. Man sieht mir das UTS nicht an und auch sonst führe ich ein völlig normales Leben - bis auf die Tatsache, das ich eben keine Kinder bekommen kann. Das war nicht immer einfach, aber es hat mich nicht so sehr beschäftigt, als ich noch jünger war. Ich habe mir zwar immer Kinder gewünscht, aber ich habe mir gedacht: irgendwann werde ich mal eins adoptieren, es gibt so viele Kinder die keine Familie haben.

Diese Ansicht hat sich aber etwas geändert, seit der Kinderwunsch bei mir und meinem Freund ganz konkret geworden ist. Da ist dann plötzlich noch jemand, für den einen die Situation auch sehr leid tut, und der nicht die Zeit hatte, sich damit abzufinden, sondern einfach von Heute auf Morgen damit konfrontiert wurde. Er hat es damals sehr gut aufgenommen und steht zu mir. Aber es war doch ein Schock für ihn, denn er wünscht sich sehr eine Familie und Kinder. Mittlerweile haben wir die Möglichkeit einer Eizellspende in Betracht gezogen. Das würde mir die Chance geben, ein Kind auszutragen und eine Schwangerschaft zu erleben, und meinem Freund die Möglichkeit auf ein genetisch eigenes Kind.

 

Aber so geht es vielen anderen Paaren auch, die oft noch nicht mal die Ursachen kennen. Ich finde, es ist leichter, etwas zu akzeptieren, wenn man Klarheit hat und den Grund dafür kennt.

 

Es gibt zwar manche Herausforderungen, aber die Diagnose UTS bedeutet kein leidvolles Leben. Ich kann alles tun und alles erreichen wie jeder andere Mensch auch!

Mein Leben wird nicht vom UTS beeinflusst. Es ist zwar ein Teil meines Lebens, den ich hinnehmen muss, und der garantiert nicht immer einfach zu akzeptieren ist. Aber ich habe gelernt mich selbst so zu lieben, wie ich bin!