Isabell

 

Meine Geschichte

 

Die Geburt

 

Ich wurde am 10.12.1984 geboren. In der Schwangerschaft habe ich mich scheinbar ganz normal entwickelt. Denn bei der Geburt war ich 53 cm groß. Aber die Probleme fingen dann trotzdem an. Ich kam schon direkt wegen Verdacht auf einen Herzfehler (hatte blaue Hände und Füße) in eine Kinderklinik. Der Verdacht hatte sich aber zum Glück nicht bestätigt. Außerdem hatte ich Ödeme an Händen und Füßen. Dies wurde aber als nicht kritisch abgetan.

 

 

Die ersten Lebensjahre / Grundschule

 

In den ersten Lebensjahren litt ich kontinuierlich unter Schnupfen und Mittelohrentzündungen, was sich erst gebessert hat, nachdem ich Polypen und Mandeln entfernt bekommen habe. Aber aufgrund der vielen Mittelohrentzündungen mit mehrmaligem Platzen der Trommelfelle sind diese vernarbt und meine Hörfähigkeit ist etwas eingeschränkt. Einige Töne sind für mich nicht hörbar. Grillen zirpen oder Frösche quaken sind für mich Tonlagen, die nicht hörbar sind.

Mit dem Wachstum klappte es auch nicht wirklich. War ich bei der Geburt noch normal groß, bin ich dann nicht mehr normal gewachsen. Bei meiner Einschulung war ich grad mal 1,04 m groß. Meine Mama hat bei jedem Arztgang gebeten, das doch mal genauer zu untersuchen, hat aber immer nur zu hören bekommen, dass sie doch auch klein sei und es auch kleine Menschen geben muss. Damit hat sie sich dann irgendwann abgefunden. Denn noch kam ich ja auch super klar. Meine Klassenkameraden haben mich immer beschützt und ich war halt überall die kleine niedliche Isi.

 

 

Die Jahre auf der weiterführenden Schule

 

Als es dann auf die Weiterführende Schule ging, wurde es dann schon schwieriger für mich. Ich war nur 1,20 m klein, als ich in die 5. Klasse kam. Meine Jahrgangskameraden haben auch weiterhin zu mir gehalten und mich so akzeptiert, wie ich war. Das Problem waren die Mitschüler, die in der 10. Klasse und höher waren. Ich durfte mir Dinge anhören, die ich hier gar nicht wieder geben möchte. Ich habe so gelitten, dass ich Nachmittags weinend heim kam und meiner Mama sagte, ich wolle nicht mehr leben. Ich habe das alles einfach nicht verstanden. Wie kann man jemanden so fertig machen, obwohl man gar nichts dafür kann? Ich habe mich doch nicht extra klein gemacht! Nun kamen die absoluten Minderwertigkeitskomplexe und ich habe mich einfach nur anders und ekelig gefühlt. Eine Freundin von meiner Mama hat uns dann einen Humangenetiker empfohlen, damit wir abchecken lassen, ob alles in Ordnung ist. Meine Ma hatte vorher nie von so einem Mediziner gehört. Wie auch? Sie durfte sich ja von allem Ärzten nur blöde Sprüche anhören. Also hat sie da sofort angerufen und einen Termin gemacht.

 

 

Diagnosestellung mit 13 / Wachstumshormone / Hormonersatztherapie

 

Dort wurde ich dann erstmal von Kopf bis Fuss durchgecheckt. Blut wurde auch abgenommen. Ein paar Tage später bekam meine Mama einen Anruf und ist nach diesem heulend zusammengebrochen. Dann hat sie mir erzählt, dass ich einen Gendefekt habe und wir noch mal zum Arzt müssen, der uns das dann noch genauer erklärt. Ich habe gar nicht verstanden, warum meine Mama weint. Ich war froh, dass endlich rausgefunden wurde, warum ich so klein bin! Das habe ich ihr dann auch gesagt und sie war dann auch relativ schnell wieder beruhigt. Bei der Diagnosestellung war ich 13 Jahre alt.

Der Arzt hat uns dann beim nächsten Termin alles über das UTS erklärt und es wurden noch weitere Untersuchungen gemacht (Hand wurde geröntgt, Schilddrüse geschallt, Herz geschallt). Soweit keine Auffälligkeiten und die Wachstumsfugen waren auch noch offen. Also musste ich mir ab dem Zeitpunkt Wachstumshormone spritzen.

Ab diesem Zeitpunkt, wo alles einen Namen hatte und das Wachstum endlich auch ordentlich wurde, konnte mir niemand mehr was anhaben, so doll ist mein Selbstbewusstsein gestiegen!

Habe dann auch noch auf 1,52m aufgeholt. Da war ich stolz wie Oskar, als ich die 1,50m-Marke geknackt hatte. Auch wenns bis zu meinem 18. Lebensjahr gedauert hat.

Zwischendurch hat der Arzt dann auch mit der Hormonersatztherapie angefangen. Aber nach schon kurzer Zeit habe ich solche Blutungen bekommen, dass ich fast verblutet wäre. Da war das Thema Hormone dann erstmal tabu. Die kamen dann später, als ich dann auch keine Wachstumshormone mehr spritzen musste. Da komme ich seitdem auch gut mit klar.

 

 

Fachabitur / Ausbildung

 

Nach meinem Fachabi habe ich dann eine Ausbildung zur Industriekauffrau gemacht. Nach der Ausbildung bin ich im Qualitätsmanagement übernommen worden. Hier behaupte ich mich ganz gut und alle müssen nach meiner Pfeife tanzen. :o) Entscheidungen zu treffen macht mir unheimlichen Spaß und demnächst fange ich noch ein Fernstudium zur Industriefachwirtin an.

 

 

Mein Leben Heute

 

Bis vor Kurzem hatte ich eine fast 5-jährige Beziehung. Nun lebe ich wieder alleine mit meinen zwei Katzen und zwei Bartagamen in einer kleinen Wohnung und fühle mich pudelwohl. Mir fällt es unheimlich schwer, zu anderen Menschen Vertrauen zu fassen. Aber ich stehe ansonsten mit beiden Beinen im Leben und kämpfe mich durch, wo ich kämpfen muss. Bisher habe ich alles gemeistert in meinem Leben, auch wenn ich nie was geschenkt bekommen habe. Es war immer ein harter Kampf. Und ich habe nicht immer gewonnen. Auch wenn vieles negative Erfahrungen waren. Alles hat mich nur stärker gemacht und zu dem gemacht, was ich heute bin: eine starke, selbstbewusste Frau!

 

 

Gesundheitliche Beschwerden

 

Klar habe ich ein paar Wehwehchen… Mittlerweile ist die Schilddrüse nicht mehr in Ordnung. Es hat sich ein Hashimoto Thyreoiditis herausgestellt. Hierbei bilden sich Antikörper gegen das eigene Schilddrüsengewebe. Aber das hat man mit den richtigen Schilddrüsenhormonen gut im Griff. Diese Erkrankung muss bei mir auch nicht UTS-bedingt sein, da sie vererbbar ist und meine Ma diese Erkrankung auch hat.

Des Weiteren habe ich Wachstumsstörungen in der Wirbelsäule und aufgrund dieser drei vorstehende Lendenwirbel, die dann zu einem Bandscheibenvorfall führen können.

Aber solche Beschwerden haben auch Menschen, die kein UTS haben. Von daher sehe ich das Ganze jetzt nicht unbedingt als UTS-Stigmata.

 

Auch wenn ich ein paar gesundheitliche Probleme habe führe ich ein ganz normales Leben ohne irgendwelche Einschränkungen und bin froh, dass ich leben darf! Mein Leben mit allen positiven und negativen Aspekten ist etwas, das mich zu einer ganz besonderen Person mit einer ganz besonderen Ausstrahlung und Lebensfreude macht!